Gemeinsam frei sein – Gemeinsam Mensch sein

„Violence against women is perhaps the most shameful human rights violation. It knows no boundaries of geography, culture or wealth. As long as it continues, we cannot claim to be making real progress towards equality, development, and peace.“  ~Kofi Annan, United Nations Secretary-General~

>>Gewalt gegen Frauen nimmt verschiedene Formen an. Dazu gehören: häusliche Gewalt, Vergewaltigung, Handel mit Frauen und Mädchen, Zwangsprostitution und Gewalt in bewaffneten Konflikten wie Mord, systematische Vergewaltigung, sexuelle Sklaverei und erzwungene Schwangerschaft. Dazu gehören auch Ehrenmorde, Mitgiftstraftaten, Kindestötung bei Schwangeren und pränatale Geschlechtsauswahl zugunsten männlicher Babys, Genitalverstümmelung bei Frauen und andere schädliche Praktiken und Traditionen.<<

Wieso bekämpfen wir etwas das ein Teil von uns ist? Warum haben besonders Männer ein Problem damit Weiblichkeit ebenbürtig zur Männlichkeit anzunehmen, und die Sanftmut einer Frau nicht als Schwäche zu sehen sondern als ein Privileg? Das man oft mit Sanftmut und Güte meist mehr positives erreicht als mit maßloser Schärfe hat sich in unserer Geschichte immer wieder gezeigt. Ich finde es ganz interessant, das das Wort selbst erklärt, welche Form von Stärke dahinter steckt: ’sanft-‚Mut‘. Attribute, die die Fähigkeit haben Gutes hervorzubringen sind Stärken, sei es nun feminin oder maskulin. Und all das was nur das Schlechte fördert, zählt für mich als Schwäche. Nicht das Geschlecht differenziert, sondern wie und für was der Mensch seine Stärken einsetzt. In meinen Augen ist es absolut kein Zeichen von Stärke andere von oben herab zu behandeln oder für seine Bedürfnisse zu benutzen. Das ist gegebenenfalls ein Ausdruck von krankhafter Egozentrik (NPS), mehr nicht. Maskulinität und Feminität sind an sich gleich stark und gleich sanft, wenn die Gesellschaft sie nicht durch Rollenverteilung und Erwartungshaltung trennen würde. Was muss also noch alles geschehen bis wir endlich erkennen, das wir nur durch die Integration des Gegensätzlichen wirklich stark sind. Wie sehr müssen wir uns noch voneinander entfernen damit wir endlich einander begegnen können?

„The world of humanity is possessed of two wings: the male and the female. As long as these two wings are not equivalent in strength, the bird will not fly. ~Abdu’l-Bahá~


Kein Mensch lässt sich auf Dauer unterdrücken. Irgendwann nimmt konstanter Schmerz einem die Luft zum atmen, und es bleibt einem nichts anderes mehr übrig, als auszubrechen und alles nieder zu reißen was einen in Ketten gelegt hat. Wie in der Natur, rächt sich jedes Ungleichgewicht im Leben. Es ist immer nur eine Frage der Zeit. Besonders das Thema ‚Gewalt an Frauen‘ und die damit einhergehende Verleugnung der Feminität muss und wird also solange Thema bleiben bis ein Gleichgewicht wieder hergestellt ist.

Heutzutage zeigen wir uns bevorzugt glücklich und zufrieden, der ’schöne Schein des Erfolges‘ glänzt, zumindest auf allen Social Media Plattformen. Hinter geschlossenen Türen allerdings gibt es meist eine ganze andere Welt. Hier erlebt man die Abgründe des Mensch sein, Schwächen die man natürlich niemals nach außen trägt: Scheitern, Wutausbrüche, Traurigkeit, Angst, Unzufriedenheit, Scham, geheime Neigungen, Zorn, Haß und Gewalt. Jeder Mensch trägt beides in sich, Gutes und Böses. Stärke und Schwäche. Es ist immer eine Frage der Umstände und der Entscheidungen die wir hieraus treffen, in wie weit wir eine Seite ‚füttern‘ und leben, als das, was wir dann tatsächlich nach außen präsentieren. Also bleibt auch hier das Streben nach innerer Balance und Ausgleich fundamental. Und dabei hilft vor allem Selbstreflektion, in wie weit das was wir zeigen, mit unserer eigenen Wahrheit und unserem Gewissen vereinbar ist.

Mädchen und Frauen die Gewalt bewältigen mussten, sind geprägt, oft ein Leben lang. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, das es dazu führt das man generell beziehungsunfähiger ist und misstrauisch, manchmal übertrieben, auf vieles reagiert. Wir alle werden mit einem Urvertrauen geboren. Dieses Urvertrauen in andere und in das Leben selbst, ist in dem Moment für immer zerstört, sobald ein anderer Mensch uns prägnantes Leid antut. Mit der Zeit kann man versuchen eine andere Art von Vertrauen wieder zu erlernen, das Vertrauen in uns selbst, und Individualvertrauen, aber das braucht Zeit, und Menschen, die eine Menge Geduld und Verständnis mitbringen.

Wenn man bereits als Kind lernt, das Schwäche, und gerade Weiblichkeit, als minderwertig gilt, dann entwickelt man automatisch eine Form von „Härte“ die einem dabei hilft das irgendwie zu ertragen, gleichzeitig aber manipuliert es einen dazu, sich so anzupassen, damit man wenigstens eine völlig verdrehte Art von Liebe bekommt. Im Erwachsenenalter allerdings wurde genau das zu einem täglichen Konflikt, denn wieviel Frau darf ich nun sein um geachtet, gehört und respektiert zu werden, und wie viel Frau muss ich sein das ich auch schwach sein darf, ohne ausgenutzt oder gedemütigt zu werden?  Ein innerer Konflikt, der im ständigen Zweikampf stand. Lange Zeit hin und her gerissen zwischen meiner Leidenschaft für Kampfsport und meiner Leidenschaft für Ballett, weis ich heute, das es die Balance zwischen beiden Polen ist, Stärke und Sanftheit, auf die es ankommt. Das eine muss das andere nicht aufheben um wahrhaftig stark zu sein. Im Gegenteil, nur die Verbindung von beidem lässt uns wahrhaftig mutig und authentisch sein.

Wenn ich heute Menschen begegne die meine Gutmütigkeit für ihre eigenen Bedürfnisse ausnutzen, rücksichtslos sind, und ich merke, das sie nicht gewillt sind, das zu ändern was mich verletzt, dann versuche ich alles menschenmögliche um mich von diesen Menschen endgültig abzugrenzen. Nicht immer gelingt das konsequent, bis man jedoch an einen gewissen Punkt kommt und sich fragen sollte: „In wie weit habe ich durch meine Entscheidungen oder durch Nichteinhaltung der eigens gesetzten Grenzen so weit einer Situation Raum gegeben, das es mir weiterhin schaden kann“. Grenzen setzen und Grenzen achten sowie einhalten, das gilt es hier zu lernen. Von beiden Seiten, der der gibt und der der nimmt. Gerade mit der heutigen wachsenden Selbstverwirklichungs-Mentalität, die durch die versprochene Grenzenfreiheit leider auch eine gewisse Selbstverherrlichung fördert, in der man ‚alles haben kann was man will, wenn man nur hartnäckig genug dran bleibt‘. Das damit nicht unbedingt gemeint ist, das man sich auch rücksichtslos über alles und jeden hinweg setzen und nehmen kann, sollte eigentlich jedem klar sein.


Frauen. Stärken ihrer Feminität

>Hingabe. Kreativ. Schöpferisch. Aufnehmend. Emotional. Intuitiv. Wandelbar<

Sie tragen neues Leben, den unbeschreiblichen Schmerz der Geburt des Lebens ertragen sie mit Stärke. Sie trotzen jeglicher Unterdrückung und Missachtung mit Willenskraft und Mut. Frauen kennen Schmerz, und wissen trotz dessen zu lieben. Frauen sind kämpferisch, das waren sie schon immer, und sie wehren sich zunehmend, mit ihren ganz eigenen Waffen, gegen die immer noch vorherrschende Dominanz der Männer. Dennoch bleiben sie in den Augen vieler Männer das ’schwächere‘ Geschlecht. Werden verhöhnt und verachtet für eigene Ideen und Innovationen, und in Glaubenssätze gefesselt, die einzig und alleine dafür dienen, Männern Folge zu leisten.


Männer. Stärken ihrer Maskulinität

>Struktur. Impulsiv. Zielgerichtet. Kämpferisch. Beschützend. Haltgebend. Dynamisch<

Sie sind manchmal emotionale Kapitalisten, doch wenn sie lieben dann versetzen sie Berge. Männer, die ihre Frauen und Töchter lieben und sie mit ihrem Leben verteidigen würden. Männer, die zuhören und die Ansichten der Frauen respektieren. Männer, die gütig sind, aufmerksam, inspirierend, leidenschaftlich und emotional intelligent. Männer dürfen nicht allgemein diskreditiert und gebrandmarkt werden durch das Verhalten derjenigen, die sich nur durch die Unterdrückung und Verachtung von Mädchen und Frauen stark und mächtig fühlen.

„Will you be man enough to stand up to other men when you hear ‚locker room talk‘, when you hear stories of sexual harassment? When you hear your Boys talking about grabbing ass or getting her drunk, will you actually stand up and do something so that one day we don’t have to live in a world where a woman has to risk everything and come forward to say the words ‚me too‘?“

An dieser Stelle möchte ich euch einen Mann vorstellen der verdammt mutig Rückgrat zeigt und sich öffentlich für Feminität einsetzt: Mr. Justin Baldoni. Das was er sagt, gerade aus der Sicht seiner „Männerwelt“, hat mich wirklich so einiges aus einer anderen Perspektive betrachten lassen. Denn nicht nur Frauen stehen im inneren Konflikt, sondern auch Männer!

 

„Anstatt unseren Kindern weiterhin beizubringen, das Jungs stark sind, und Mädchen schön, können wir ihnen nicht lieber beibringen was es bedeutet ein guter Mensch zu sein?“ ~Justin Baldoni~

 

You can join his conversations with other men about the mainly topic ‚what it it means to be a man‘ :

http://www.wearemanenough.com/trailer/

 

Frag-Würdig:

  • Benötigen wir eine Neudefinierung von Feminismus?
  • Warum ist es wichtig das auch Männer sich zum Feminismus bekennen?
  • Was bedeutet wahre Stärke für dich?

 

Herzlichen Dank für Eure Zeit!

Peggy Gardot

 

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